Release-Party von "Tapedeck" im Heidenheimer Treff 9

Mit viel Gemütlichkeit

Ein guter Proberaum hat auch etwas von einem Wohnzimmer. Er hat Gemütlichkeit (Sofas, Beistelltischchen), er hat Komfort (Aschenbecher, kalte Getränke) und er hat Accessoires, die künstlerische Arbeit erst möglich machen, wie etwa Schlagzeug, kraftvolle Verstärker und Bergpanoramen in Öl an der Wand. All das hatte die Heidenheimer Band "Tapedeck" am Samstag zur Release-Party ihrer Debüt-CD "Buffet Restaurant" auf die Bühne des Treff 9 geschleppt.

Zunächst tobte "Package Radio" durchs Bühnen-Wohnzimmer, und mit diesem erst zweiten Auftritt konnte das junge Heidenheimer Trio durchaus beeindrucken. Die Melodien waren packend, die Band auf der Bühne sehr präsent und aus den Boxen krachte ein sehr schmackhafter und knackiger Salat aus mittelalten "Boxhamsters", 80er-Alternative-Rock à la "Pixies" und einem guten Schuss rüdem Punkrock der Marke "Dead Kennedys" als Dressing. Überflüssig war da nur eine ziemlich plumpe Papst-Schmähung.

Von politischer Korrektheit allerdings halten auch die drei von "Sick of Society" wenig. Ihre Songs handeln mitunter "von Busen und von Popos", was allerdings unverständlich blieb, weil die Vöhringer Band ihre Message in rabiaten Hardcore der alten Schule verpackte, der zudem mit einer satten Death-Metal-Kante geschliffen war. Völlig unverkopft und mit sichtlichem Spaß klopfte "Sick of Society" ein paar Hand voll Songs ins Publikum, auch wenn die Musik dort eher reserviert aufgenommen wurde.

Was dann allerdings folgte, kratzte erfolgreich an der Grenze zum Musiktheater. Bekleidet mit Bademänteln und fiesen Schnauzbärten trabten die "Tapedeckler" zu Marschmusik in ihr "Wohnzimmer", während die unmittelbare Vorband sich in die Bühnensofas fläzte. Und wer das für einen kleinen Aufwärm-Gag gehalten hatte, lag falsch: Nach ein paar Songs bestellte Schlagzeuger Matthias Greiner Pizza, die prompt geliefert und verspeist wurde; Sänger und Gitarrist Steffen Heller erzählte einmal mehr schräge Witze und wagte später mit Bassist Johannes Rößler ein Tänzchen, das einen John Travolta beinahe alt aussehen ließ.

Bei allem Schauspiel bot "Tapedeck" dennoch vordergründig Musik. Aber auch da entzieht sich die Band "normalen" Kategorien. Es gibt Elemente von Metal und Hardcore, es brechen überraschend ruhige Passagen durch, die, etwa bei "Sleeping lion skin", von tollen Melodien getragen werden, und kurz darauf regieren wieder knarzende Gitarrenriffs.

Jens Eber

HEIDENHEIMER ZEITUNG, 27.04.05