Holterdiepolter in fünf Häppchen

Die neue CD: Heidenheimer Trio "Tapedeck debütiert geschmackvoll mit "Buffet Restaurant"

Es ist also angerichtet! Während die vermeintliche Release-Party von "Tapedeck" im Treff 9 den Appetit zwar anregte, den Hunger nach dem CD-Debüt aber nicht stillen konnte, wird nun "Buffet Restaurant" aufgetischt - bzw. nachgereicht. Fernab von Einheitsbrei entfalten sich die fünf Geschmacksverstärker, die in kurzweiligen 22 Minuten lauwarme Konserven-Kost an die Wand knallen.

Ja, "Tapedeck" (alias Steffen Heller, Johannes Rößler und Matthias Greiner) köcheln ihr ganz eigenes Sound-Süppchen: so werden zwar "Metal, Indie-Rock und Popsoße" als Ingredienzen aufgezählt, zugleich aber dermaßen durch den Fleischwolf gedreht, dass der Schweinehund namens Rock in die Pfanne gehauen wird und brutzelt, bis sich die angebrannten Ohrwürmer auf dem Serviertablett winden.

Der Aperitif schmeckt zunächst zuckersüß, bleibt aber schon bald im Halse stecken, bevor ein monströser Blast-Beat den Kloß in die Magensäure jagt und das Schmalz aus den Ohren bläst. "We've come a long way to be here again; we counted neither miles or hours" - wahrlich nicht zu überhören, da geht man besser in Deckung und wartet bis der hämmernde Metal-Eilzug vorbei gerauscht ist.

Durchgeschüttelt, weniger gerührt, auch der Midtempo-Groover "Sleeping lion skin" - gut verdaulich, geradezu das eingängigste Stück des "Tapedeck"-Menüs. Der Hamster rotiert im Laufrad, um einen Moment später auf dem Highway to Hell zu landen. Zu "Squirrels" zieht das Trio eine höhnische Hardcore-Fratze, streift bei "Tidy up" schon fast "System of a down"-Territorium, um bei "Tumbleweed" nochmals die Hit-Kurve zu kriegen. Staubtrockene Breaks, zackige Riffs und eine quengelnde Stimme, die sich in den Gehörgang krallt; zurück bleibt ein verstörtes, nervöses Wippen, das die hypnotisierenden Bassläufe begleitet.

"Buffet Restaurant" mundet, wenn auch anfangs nur portionsweise und bei mehrmaligen Durchkauen, doch dann entfaltet sich der schrille und sperrige Geschmack des Trios, der auf 1000 Rohlinge gepresst wurde. Wohl bekommt's. ki

HEIDENHEIMER NEUE PRESSE, 11.06.05