Wer spielt denn da? Bandportraits

"Tapedeck": Mit Bademantel und Pizza im Bühnen-Wohnzimmer

Man nehme eine große Portion Metal, würze das ganze mit etwas Indie-Rock und gebe einen Schuss Popsoße dazu - fertig ist das Rezept, mit dem die Heidenheimer Musiker "Tapedeck" begeistern wollen. Dass man sich abheben will vom musikalischen Einheitsbrei, hört man von ungefähr jeder Band. Doch dem Trio um Sänger Steffen Heller scheint das wirklich zu gelingen: Welche andere Band baut schon ein gemütliches "Wohnzimmer" - mit Sofas und Aschenbecher für die Kippe zwischendurch - auf, um die Songs ihrer neuen Platte zu präsentieren? Welche andere Band verspeist - in Bademäntel gekleidet - mal eben eine Pizza während eines Auftritts?

Aber erstmal von vorne:
Im Oktober 2001 bilden Steffen Heller, Johannes Rößler und Jens Eber die Formation "Tapedeck", mit der sie bald den ersten Auftritt in der "Villa Taubenschlag" feiern. Doch richtig los geht's erst etwa drei Jahre später: Nach einer kreativen Pause, in der Matthias Greiner an Stelle von Jens Eber als Schlagzeuger die Band komplettiert, wird wieder ordentlich geprobt. Es folgen einige Auftritte im neu erbauten Treff 9, auch an einer CD wird eifrig gewerkelt. "Es ist gar nicht so leicht, eine CD aufzunehmen", erzählt Steffen Heller, "da gibt's ganz viele kleine Hindernisse". "Umso schöner ist es dann, die Platte endlich in den Händen zu halten", ergänzt Matthias Greiner. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte der viertägige "Aufnahme-Marathon" begonnen. Hilfe erhielt das Trio dabei von Tontechniker Daniel Franke, für ein passendes Coverfoto sorgte Jens Eber. "Insgesamt haben wir ungefähr 200 Stunden Arbeit in die CD gesteckt", rechnet Steffen Heller vor.

Die Rückmeldungen auf die bereits Ende April erschienene Debüt-CD "Buffet Restaurant" seien durchweg positiv, auch wenn man bisher nicht allzuviele Scheiben verkauft habe. "Wir sind so eine kleine Verschenker-Band", witzelt Schlagzeuger Matthias Greiner. Viele Einflüsse würden sie von der extremen Crossover-Band "System of a Down" erhalten. "Das ist halt eine Band, die wir alle ganz gerne hören, aber so cool würden wir das nicht rüberbringen", meint der Sänger. Man versuche, schon "etwas härtere Musik zu machen, also nicht unbedingt für die Hitparade" - aber die Melodie der Songs von Tapedeck stehe im Vordergrund.

Auch die Texte, die Steffen Heller selbst schreibt, heben sich ab:
"Unsere Texte handeln nicht davon, dass ich mich über dies und jenes ärgere", so Heller. Vielmehr ginge es um Natur und Tiere, was zum Teil aber auch zum speziellen Humor des Trios gehöre. "Es gibt einfach Dinge, die ich gut finde und dann so umsetzen möchte.", berichtet der Sänger. Insgesamt zieht sich also - trotz der ohne Frage auch einmal härteren Töne - ein Faden der Gemütlichkeit durch das Spiel von Tapedeck. Und das findet sich dann nicht nur auf der CD, sondern auch auf der Bühne wieder.

Christian Schellenberger

NEUE WOCHE, 15.09.05