Vier Bands beim "Heidenheim-Allstar-Festival" auf der Showbühne der Landesgartenschau

Heiße Musik an einem kalten Sommerabend

(daba) Dass die Landsgartenschau in Heidenheim nicht nur Blumen, sondern auch andere Attraktionen zu bieten hat, dürfte langsam weithin bekannt sein. Und auch am vergangenen Donnerstag konnte man wieder etwas mehr machen als nur Blumen und Landschaft zu bestaunen. Unter dem Motto "Heidenheim-Allstar-Festival" gaben sich die Bands "From Dusk Till Dawn", "Lie.Algebra", "Tapedeck" und "Sick Of Society" die Klinke in die Hand, auch wenn eigentlich nur zwei der Bands wirklich aus Heidenheim kommen.

Den Anfang machte an diesem Abend "From Dusk Till Dawn". Dem Quartett aus Heidenheim war von Anfang an der Spaß anzusehen und auch das Zuhören machte Spaß. Emopunk à la "Jimmy Eat World" mit wunderschönen Melodien ist eindeutig die Stärke der Band. Den melodischen, oft zweistimmigen Parts konnte man sich einfach nicht entziehen und so wunderte es nicht, dass der Vierer schon eine ganz beachtliche Anhängerschar in Publikum hatte.

Als nächstes betrat dann die Formation "Lie.Algebra" die Showbühne der Landesgartenschau. Die Musiker hatten es nach "From Dusk Till Dawn" nicht leicht, und am Anfang ihres Sets überzeugten sie auch nicht wirklich. Den härteren Parts fehlte die Power und die ruhigen Stellen kamen auch nicht wirklich überzeugend, was aber wahrscheinlich daran lag, dass der Sound auf der Bühne nicht ganz stimmte, denn nach jedem Song kamen Wünsche der Musiker, dass der Bühnensound doch verbessert werden sollte. Als die Band dann zufrieden war, klang sie auch sofort ganz anders und viel überzeugender. Die harten Parts kamen nun mit Power und die ruhigen schön sphärisch, manchmal ein bisschen wie "At The Drive-In", jetzt konnte man endlich die Emotionalität der Musik spüren die man zu Beginn so schmerzlich vermisst hatte.

Mit der langsam untergehenden Sonne kam dann am Donnerstagabend mit "Tapedeck" die zweite, ebenfalls aus Heidenheim stammende Band. Die Drei spielen eine Mischung aus GaragenMetal? mit manchmal manischem Gesang und Funpunk-Texten über Eichhörnchen und unaufgeräumte Zimmer. Die Musik der drei Heidenheimer zeichnet sich außerdem durch lange instrumentale Passagen aus, in dem sie ein Riff nach dem anderen durch die Boxen drücken. Die amüsanten Ansagen des doch ziemlich zerstreut wirkenden Sängers sorgten auch zwischen den Liedern für Unterhaltung.

Als dann als letzte Band des Abends "Sick Of Society" mit der Ansage: "Wir versuchen jetzt so viele Songs wie möglich in möglichst kurzer Zeit zu spielen" betrat, wurde man auf die nachfolgenden 30 Minuten gut vorbereitet. Das Trio spielt extrem schnellen Punkrock mit einer guten Portion Hardcore, was zu einer durchaus explosiven Mischung führt. Als sich dann endlich auch an diesem Abend noch ein paar Headbanger und Pogofreunde vor der Bühne versammelten, war das definitiv nicht auf die inzwischen unangenehme Kälte zurückzuführen. Eher war schon die schön schnörkellos dargebotene Musik des Trios auf der Bühne der Grund dafür.

Zum Ende dieses Abends konnten dann auch die Blumen zufrieden mit den Köpfen nicken, weil sie mal wieder etwas anderes als Volks- oder Blasmusik zu hören bekommen hatten.

HEIDENHEIMER ZEITUNG, 05.08.06






Heidenheim Allstars" mit vier Bands auf der LGS

Rockmusik zwischen Blumenbeeten

Wo die bunte Blumenpracht regelmäßig von Blasmusik und Schlagerhits erschüttert wird, wippten die Pflanzen der Landesgartenschau am vergangenen Donnerstag in einem anderen Takt: Vier Bands präsentierten Rockmusik unterschiedlicher Stilrichtungen auf der Showbühne.

Zu Beginn sorgte die Heidenheimer Emopunk-Combo "From Dusk till Dawn" für Stimmung. Schon früh zeigte sich, dass sich das Trio seit seiner Gründung vor vier Jahren eine beachtliche Fangemeinde erspielt und ersungen hat - das Zelt war Konzerte dieser Art jedenfalls recht gut gefüllt. Mit schwungvollen, teils zweistimmigen Punkrock-Songs stellte sich der Dreier als würdiger Einstieg heraus, nicht zuletzt der begeisterte Applaus der vornehmlich jüngeren "FDTD"-Anhänger trug dazu bei. Nach gut einer halben Stunde war der gelungene Auftritt vorbei, und eine gewisse "Abschiedsstimmung" blieb nicht verborgen: Gut möglich, dass der Einsatz auf der Landesgartenschau der Letzte der sympathischen Emo-Truppe war.

Zwar ist der Name des Konzerts, "Heidenheim Allstars", nur bedingt berechtigt - kommt doch nur die Hälfte der Musiker wirklich aus der Stadt an der Brenz. Aber immerhin: Auch die Stuttgarter Truppe "Lie Algebra" hat ihre Wurzeln in den Kreisgemeinden. Das nach einem Begriff in der Mathematik benannte Quartett erhöhte das Tempo merklich, auch setzte Frontmann Francesco Placenti auf eine kräftige Stimme und bewegungsreichere Bühnenpräsenz. Wer Hardcore-Punk der Marke "At the Drive-In" mag, kam hier auf seine Kosten.

Gewohnt locker ging's mit "Tapedeck" weiter. Vom Heidenheimer Trio um Sänger Steffen Heller gab es eine halbe Stunde abwechslungsreichen Garagen-Rock auf die Ohren. Die Texte meist humorvoll, der Sound dafür umso kantiger. Stimmlich wäre aber etwas mehr Power wünschenswert gewesen, um die Brenzarena ausreichend zu beschallen.

Das sollten die Vöhringer Musikerkollegen von "Sick of Society" übernehmen: Zu fortgeschrittener Stunde stimmte das Trio eilig seine Instrumente, was sich anfangs in dürftig ausgesteuertem Sound bemerkbar machte. Nachdem die Gerätschaft aber richtig eingestellt war, legte das Urgestein (erste Aufnahmen gibt's aus dem Jahr 1991) richtig los: Ein rasend schneller Punkrock-Metal-Mix trieb die Zuschauertraube vor die Bühne. Auf jeden Fall hatte nicht nur das kühle Wetter seinen Anteil daran, das das Publikum zu derben Pogo-Einlagen angetrieben wurde.
Christian Schellenberger

NEUE WOCHE, 10.08.06